Langhaus

Der Grundriss zeigt einen rechteckigen Saalbau mit abgerundeten Ecken und einem eingezogenen Altarraum. Die äußere Gestalt des hellgetönten, sattelgedeckten, mit einem umlaufenden Kranzgesims versehenen Gotteshauses erscheint verhältnismäßig schlicht. 1986 wurde fand die letzte Innenrenovation statt. 2006 mussten Teile des Dachstuhls ersetzt werden, da erhebliche Baumängel die Dachkonstruktion gefährdeten. Hierbei wurde auch das Kirchendach, der Glockenturm und der Anstrich erneuert.

Der quadratische, mittelalterliche Glockenturm steht seitlich auf der Nordseite, verjüngt sich in einem zweigeschossigen Achteck, das von einer Zwiebelhaube mit Knopf und Kreuz überragt wird.
Langhaus und Chorraum werden durch große Rundbogenfenster erhellt. Die Westfassade ist durch Pilaster und einen Schweifgiebel mit seitlichen Urnen und einem Dreiecksabschluß gegliedert wobei auch das Hauptportal pilastergeschmückt ist.
Die in die Außenwand eingelassenen römischen Reliefsteine verdienen ein besonderes Augenmerk.

Votivsteine

Nordseite: Die  Bauinschrift „IN (HONOREM DOMUS DIVI-NAE" = Zu Ehren des Kaiserhauses) dürfte von einem größeren öffentlichen Gebäude stammen. Ein anderer Stein zeigt den Zeussohn Herakles der den Dreifuß raubt, an dem sich eine Schlange empor windet. Links der Heilgott Apollon, der an seiner Leier kenntlich ist. Von rechts eilt mit wehendem Gewand eine Gestalt heran, die mit der Linken einen Bogen trägt.

Nordwestecke: Daphne, der einer Freundin zu Hilfe kommen will, wird in einen Lorbeerbaum verwandelt, und zwei geflügelte Eroten.

Südwestecke, Südseite: Zwei bewaffnete Männer in kurzen Jagdgewändern tragen an einer Stange ein erlegtes Tier nach Hause, während ein anderer kurzgewandeter Jäger seinen Jagdspieß hält, von dem ein Netz herabhängt.

Südseite: Ein nach links gewandter, unbekleideter Krieger mit einem Rundschild, unter dem ein Reiter dargestellt ist, kämpft gegen eine wohl menschliche, auf einem Felsen sitzende Gestalt.
Auf einem Votivstein ist eines Primanus für Jupiter und Danuvius erhalten. Daneben, wohl von einer Grabstele, Szenen aus dem Alltag und der Mythologie.

Innenraum

Der Innenraum ist saalartig und trägt ein klassizistisches Gepräge nach der Bauweise des Planers Franz Kleinhans. Dem breiten Schiff mit seinen abgerundeten Ostecken und der zur (1877 veränderten) Flachdecke überleitenden Hohlkehle entspricht der hinter dem gedrückten, von zwei Pfeilern getragenen Triumphbogen sich öffnende eingezogene, etwas höhere Chorraum. Durch die acht hinteren und vier vorderen Rundbogenfenster fällt viel Licht herein.

Deckengemälde Langraum

Die Deckengemälde wurden 1915 durch den Münchner Maler  Kaspar Schleibner in Temperatechnik ausgeführt. Er stellte im Langhaus das Martyrium der beiden Kirchenpatrone Pankratius und Dorothea dar. In den Medaillons ist vorne ihre Verurteilung, hinten das Pankratiusbegräbnis (links) und das Blumenwunder von Dorothea (rechts) veranschaulicht. Dem Gerichtsschreiber Theophilus, der sie verspottet hatte, habe bei der Hinrichtung ein Bub mitten im Winter ein Körbchen mit den von ihr versprochenen Äpfeln und Rosen aus dem Garten des himmlischen Bräutigams gebracht.
Im Chorraum vergegenwärtigte der Künstler das Letzte Abendmahl. Die Dekorationsmalereien stammen von den beiden Münchnern Schiller und Ostermayer.

Barockaltar

Die Barockaltäre standen, wie ihre Bilder verraten, ursprünglich in  Franziskanerkirchen. Der Hochaltar (um 1710) stammt vermutlich aus einem  Kapuzinerkloster, denn auf dem Ölblatt im Giebel ist der sterbende  Franz von Assisi in dem Ordensgewand der Kapuziner dargestellt. Zwei Barockskulpturen befinden sich an der linken und rechten Seite des Altars. Die linke Skulptur stellt den Franziskanerheiligen  Bonaventura dar, kenntlich am Buch und Kreuzesstab. Rechts befindet sich die Skulptur von  Bernhardin von Siena mit seinem sonnenartigen Missionarszeichen. In der Mitte befindet sich die Apokalyptische Frau (um 1915) gestaltetet durch den Münchner Bildhauer  Jakob Bradl. Sie ersetzt das 1851 von  Julius Frank gemalte Kreuzigungsbild, das jetzt an der nördlichen Chorwand hängt.

Altar

Der moderne Volksaltar (1974) samt Ambo und Taufstein (1974) mit einer hochbarocken Jordangruppe (um 1730) ist ein Werk von  Josef Henger in Ravensburg.

Seitenaltäre

  • Auf der Nordseite steht der Marienaltar mit frühbarocken Skulpturen der Hl. Joachim und Anna, die vermutlich vom Bildhauer Zacharias Binder aus Ehingen stammen. Die spätgotische Madonna (um 1495) stammt aus Ulm. Im Oberbild ist die Stigmatisation des Mystikers Franziskus abgebildet.

Der südseitige Josefsaltar mit einem Ölblatt, das Antonius von Padua vor Augen führt, birgt im Schrein eine spätbarocken Skulptur des Josef (um 1730), der auf Johann Baptist (I) Hops (1681 -um 1747) zurückgehen könnte. Auf ihm stehen die Statuen der Rißtissener Kirchenpatrone Pankratius und Dorothea (um 1730) die wurden wahrscheinlich vom Ehinger Bildhauer Franz Kleinbrot noch für die Alte Kirche geschnitzt wurden. Die erfreulicherweise erhalten gebliebenen einstigen Altarblätter (um 1725) sind an der nördlichen Chorwand aufgehängt. Sie zeigen St. Johannes Nepomuk und die Vierzehn Nothelfer.

Die Kanzel  mit ihrem eigenartigen Galeriesteg schmücken Statuetten der ebenfalls Franz Kleinbrot zuerkannten Vier Evangelisten, des Guten Hirten und eines Posaunenengels (um 1730). Das mit Urnen und Laubgehängen verzierte klassizistische Chorgestühl, die gleichartigen Beichtstühle und die Emporenbrüstung stammen aus der Erbauungszeit von 1787.

Skulpturen und Bilderschmuck

Der Skulpturen- und Bilderschmuck an den Wänden entstammt teilweise der Alten Kirche. Dazu zählen der Gekreuzigte (18. Jh.), die  Pietà (um 1730) und die Sebastiansfigur (17. Jh.) an der Langhaus-Nordwand. Auf der gegenüberliegenden Südseite der Apostel Jakobus d.Ä. mit  Reiseflasche, und Muscheln (um 1730) sowie der Hl. Simon Stock (um 1800). In der Nische befindet sich eine Skulptur des Hl. Antonius (um 1855) des Ravensburger Bildhauers Theodor Schnell d.Ä. (1836-1909). Die Kreuzwegstationen wurden 1767 durch den Ehinger Stadtmaler Joseph Anton Weller gemalt.

Auf der Chor-Südseite schließlich eine zweigeteilte Verkündigung an Maria (um 1787).


Der Kirchenschatz umfasst vor allem eine spätbarocke augsburgische Sonnenmonstranz (um 1760) und einen ähnlichen Kreuzpartikel (18. Jh.).

Die Orgel (1985) wurde von der Firma Späth in Ennetach erstellt. Sie umfasst 20 klingende Register. Ein erstes, bald als zu schwach empfundenes Pfeifeninstrument war 1824 eingebaut und um 1840 erweitert worden.

Unterhalb der Emporenbrüstung ist das Erbärmdebild (um 1460) angebracht. Das  Predellenbild stellt die Gottesmutter Maria und den Lieblingsjünger Johannes dar, die uns uns den gemarterten und gekreuzigten Christus zeigen, der im Grab liegt. Sein gekreuzigter Leib soll uns Erbarmen bringen. Dieses Bild war von 1953 bis 1988 im Ulmer Museum zu sehen und hängt nun, seit der Kirchenrennovation von 1988, wieder an seinem früheren Platz.

Glocken

Die Rißtissener Pfarrkirche besitzt insgesamt vier Glocken. Es ist ein Geläute mit der Tonfolge „fis-a'-h'-cis".

  • Marienglocke: 1495 in Biberach gegossen, (fis1, Durchm 119 cm, H. 97 cm, 1050 kg). Ihren Mantel schmücken zwei Rosen und die Minuskelinschrift: ,,ave maria, gracia plena, dominvs tecvm, anno domini mccclxxxxv."
  • Christkönigsglocke: 1439, ebenfalls in Biberach gegossen (a1, Durchm. 105 cm, H. 70,9 cm, 780 kg) von 1439. Sie trägt auf ihrer Schulter in gotischen Minuskeln die Bitte: ,,+ o rex glorie, veni cvm pace, anno dni mccccxxxviiii - ave maria". Ihre Flankenreliefs zeigen Christus am Lebensbaum sowie Maria und Johanne
  • Herz-Jesu-Glocke:1838 bei Konrad Zoller in Biberach gegossen (h', Durchm. 80 cm, 300 kg).
  • Sterbeglocke: 1976 in Heilbronn entstanden (eis1, Durchm. 53 cm, 180 kg)

Hier hören sie die Glocken unserer Pfarrkirche:

Quellenangaben

  • Schnell, Kunstführer Nr. 1797 Erste Auflage 1989, Verlag Schnell & Steiner GmbH
  • Wikipedia
  • Programm des Gemeindefest Rißtissen zur Wiedereinzug in die renovierte Kirche 1988